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Über die List und bissige Hunde

P. Eggenberger, Neue Zürcher Zeitung 10. Juli 2010

Politiker müssen oft reden. Nicht immer schreiben sie ihre Texte selber. Moritz Leuenberger hat diesbezüglichen Spekulationen einen Riegel geschoben. Im Buch «Träume & Traktanden», das im Jahr 2000 einen ersten Reigen seiner Reden präsentierte, schreibt er im Vorwort: «So wie niemand einem Bundesrat zutraut, allein in ein Flugzeug zu steigen, weswegen die Fluggesellschaften weltweit VIP-Services unterhalten, die sich rührend um Kleinkinder und Regierungsmitglieder kümmern, so wenig traut man offenbar einem Bundesrat zu, eine Rede selber zu schreiben. So sei denn die häufige Frage nach dem Ghostwriter beantwortet: Es gibt keinen.»

Drei Bücher sind bisher aus seinen Texten entstanden: neben dem genannten noch «Die Rose und der Stein» im Jahr 2002 und «Lüge, List und Leidenschaft» im Jahr 2007.

Die Freude Leuenbergers am Spiel mit der Sprache, mit Worten, mit Bildern in unterschiedlichsten Kontexten und Redesituationen blieb nicht unbelohnt. 2003 erhielt er den deutschen Cicero-Preis für die beste politische Rede des Jahres. Gehalten hatte er diese am Lucerne Festival zum Thema «Das Böse, das Gute, die Politik».

Exakt in diesem Spannungsfeld bewegt er sich in seinen Texten häufig. Besonderes Gefallen findet er an der List. «Die Regierung darf gegenüber den Stimmbürgern listig auftreten, wenn sie ihre List öffentlich legitimieren kann. Die List gehört ja seit je zur Auszeichnung eines guten Generals. Warum sollte sie also nicht auch einen guten Politiker auszeichnen?», sinniert Leuenberger. Er warnt aber davor, aus List Arglist werden zu lassen.

Auch andere pointierte Aussagen Leuenbergers bleiben haften. 2007 hielt er die Laudatio für TV-Moderator Thomas Gottschalk, als dieser ebenfalls mit dem Cicero-Preis ausgezeichnet wurde. Leuenberger prägte damals den Satz: «Ohne öffentliches Joggen bringt man es heute nicht mal mehr zum Gemeindeparlamentarier.» Und an der Feier zum 175. Geburtstag des Verlagshauses Ringier kritisierte er die Bundesparlamentarier mit den Worten: «Lanciert der Blick eine Unterschriftensammlung gegen bissige Hunde, unterschreiben sie alle, weil sie um die Akkreditierung beim Volk fürchten.»

Als der Mister Schweiz von 2009, André Reithebuch, öffentlich zu seiner Leseschwäche stand, lud Leuenberger ihn ins Bundeshaus ein und gab zu: «Auch ich tue mich ab und zu schwer mit dem Lesen.» Gleiches kann von seinen Fähigkeiten als Autor und Redner kaum gesagt werden.